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Was sind die Genfer Konventionen? Über die Idee, Menschlichkeit auch in Kriegszeiten zu wahren

Die Genfer Konventionen in ihrer heutigen Form gibt es seit dem 12. August 1949. Oberstes Ziel des Vertragswerkes ist es, auch in Zeiten des Krieges menschlich zu sein. Diese Idee des humanitären Völkerrechts geht zurück auf den Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant (1828–1910). Dieser erlebte 1859 bei einer Reise nach Italien das Ausmaß einer blutigen Schlacht bei Solferino: Zigtausend Tote und Verletzte, um die sich keiner kümmerte. Also ergriff er selbst die Initiative und versorgte mit zusammengetrommelten Helfern aus der Bevölkerung notdürftig die Opfer. Seine Erfahrungen dokumentierte er 1862 in einem Buch und regte darin an, Hilfsorganisationen zu gründen, die im Kriegsfall Verwundete versorgen.

Erst das Rote Kreuz, dann die Konvention
Das Ansinnen Dunants stieß europaweit auf ein positives Echo. In der Schweiz kam es dann zur Verwirklichung seiner Idee: 1863 formte sich um Henry Dunant eine Kommission der karitativen „Genfer Gemeinnützigen Gesellschaft“. Diese Kommission gründete im selben Jahr das „Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege“. Daraus ging später das „Internationale Komitee des Roten Kreuzes“ hervor. Dieses wacht noch heute über die Einhaltung der Konventionen.

Rotes Kreuz: Schutz-Symbol

Die Pflegekräfte der unparteiischen Hilfsorganisation und Verwundete sollten unter besonderem Schutz stehen. Kriegsführende Mächte sollten Feldlazarette und Spitäler nicht attackieren. Deshalb sollte ein gemeinsames Zeichen die schützenswerten Menschen und Einrichtungen kennzeichnen. Die Schweizer Regierung berief 1864 eine Konferenz in Genf ein, bei der Vertreter aus 12 Nationen die 1. „Genfer Konvention zur Verbesserung des Schicksals der verwundeten Soldaten der Armeen im Felde“ unterzeichneten. Eine Konvention ist hier eine völkerrechtliche Übereinkunft, die mehrere Staaten gemeinsam treffen.

Als Schutz-Symbol bestimmte die Konferenz die umgekehrte Schweizer Nationalflagge: rotes Kreuz auf weißem Grund. Heute gelten mit dem „Roten Halbmond“, dem „Roten Löwen mit roter Sonne“ und dem „Roten Kristall“ noch weitere Symbole. Zusammen mit dem sogenannten „Apostel des Friedens“ Frédéric Passy (1822–1912) erhielt Dunant 1901 für seinen Einsatz übrigens den allerersten Friedensnobelpreis.
 
Die 4 Konventionen
Durch nachfolgende Kriege stellte sich bald heraus, dass diese 1. Konvention nicht ausreichte. 1929 beschlossen Vertreter aus 36 Staaten die heutige 3. Konvention über die Behandlung von Kriegsgefangenen. Damit reagierten sie auf den unmenschlichen Umgang mit Kriegsgefangenen im 1. Weltkrieg. Von April bis August 1949 überarbeiteten Regierungsvertreter aus 59 Staaten die 2 in den Jahren 1864 und 1929 entstanden Konventionen und ergänzten sie durch 2 weitere, in die Erfahrungen aus dem 2. Weltkrieg mit einflossen. Die 4 Genfer Abkommen und ihre Zusatzbestimmungen gelten heute noch; fast alle Staaten der Welt erkennen sie an: Abkommen I will das Los der Verwundeten und Kranken der bewaffneten Kräfte im Felde verbessern, in Abkommen II geht es um das Los der Verwundeten, Kranken und Schiffbrüchigen der bewaffneten Kräfte zur See. Das Abkommen III betrifft die Behandlung der Kriegsgefangenen, Abkommen IV den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten.

Übrigens: Die Genfer Konventionen sind wesentlicher Teil des Humanitären Völkerrechts. Dieses fasst Sonderrechte zusammen, die in bewaffneten Konflikten zum Tragen kommen. Es regelt z. B. Methoden der Kriegsführung und den Umgang mit Gefangenen.

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