Direkt zum Hauptbereich

Warum feiern wir Karneval? Kein Fasching ohne Fasten

Auf Hochdeutsch heißt die närrische Zeit Fastnacht, Karneval oder Fasching, abgesehen von den vielen regionalen Bezeichnungen. Alle Begriffe beziehen sich auf die Fastenzeit ab Aschermittwoch. So war die „Fastnacht“ ursprünglich der Abend vor dem Fastenbeginn. Den Ausdruck „Karneval“ benutzen die Italiener, Franzosen und Spanier genauso wie die Lateinamerikaner. Er leitet sich aus dem lateinischen Wortstamm „caro“ (Fleisch) ab. Karneval bedeutet die Wegnahme von oder den Verzicht auf Fleisch. Der „Fasching“ steht für den Ausschank und das Getränk in Vorbereitung auf die Fastenzeit. Im Mittelalter nannten das die Menschen „vast-schanc“. Im Laufe der Zeit dehnte sich das Feiern auf mehrere Tage als nur den einen vor Aschermittwoch aus.

Gäbe es ohne Fasten den Karneval? Was haben 2 so gegensätzliche Ereignisse miteinander zu tun – das eine steht für Laster, das andere für Enthaltsamkeit? Der Ursprung des Karnevals ist vermutlich in der Antike zu finden: Zwischen der Wintersonnenwende und der Tag-und-Nacht-Gleiche feierten die Menschen im Mittelmeerraum heidnische Feste und Kultrituale zu Ehren der Götter, um den Winter zu vertreiben und die fruchtbaren Tage des Frühlings zu begrüßen. Möglicherweise versuchte die Kirche mit der Einführung des Christentums, diese Bräuche aufzufangen und mit kirchlichen Festtagen zu überlagern. Fest steht, dass Fasching und Fasten trotz ihrer Gegensätzlichkeit von der Kirche toleriert wurden. Manche, die sich mit dem Thema beschäftigen, sind überzeugt, beides sei eine Erfindung der Kirche.

Kirchenvertreter konnten ihre Gläubigen lenken, solange Fasching eine christliche Tradition war. Die Feste vor dem Fasten symbolisierten sündiges Verhalten und das Abwenden von Gott. Aber: Die Fastenzeit konnte das wiedergutmachen. Päpste im Mittelalter weiteten die Festlichkeiten immer mehr aus. Um 1700 erlaubten sie schließlich sogar den Frauen, maskiert am Karneval teilzunehmen. Der Deal: So konnte die Kirche an Aschermittwoch ein striktes Einhalten der Fastenzeit einfordern. Fasten und Fasching standen also für 2 unvereinbare Lebenswelten: den teuflisch gesinnten Weltstaat und den Gottesstaat.

Mit diesem Denkmodell war es möglich, dass Fasching über die vergangenen Jahrhunderte zur festen Größe wurde. Nur durch die Reformation im 16. Jahrhundert gab es einen Dämpfer: Die Protestanten schufen für sich die Fastenzeit mitsamt Karneval ab. Deshalb sind Karnevalshochburgen eher katholische Städte und Gemeinden.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Woher stammt der Lebkuchen?

Lebkuchen, so wie wir sie heute kennen, wurden zum ersten Mal im Jahr 1296 in einem Ulmer Kloster schriftlich erwähnt. Andere Quellen nennen das belgische Städtchen Dinant, von dem aus die Grundidee zu den bekannten Printen ins nahegelegene Aachen wanderte. Wegen der damals noch seltenen und teuren Gewürze verbreiteten sich die Pfefferkuchen vor allem über die damals größten und wichtigsten Handelsstädte: Nürnberg, Augsburg, Ulm, Köln und Basel sind Ort mit lang zurückreichender Lebkuchentradition.

Der Name "Lebkuchen" hat vermutlich nichts mit Leben zu tun, sondern geht entweder auf das lateinische Wort "libum" (Fladen, Opferkuchen) oder den germanischen Begriff "Laib" zurück. Der Lebkuchen wurde das ganze Jahr über verzehrt. Beliebt war er vor allem, weil er sich lange lagern ließ. In Klöstern wurden große Vorräte für Notzeiten und als Spenden für Arme angelegt. In der Fastenzeit war der Lebkuchen sehr beliebt und wurde mit starkem Bier verzehrt.
Pfeffe…

Was sind die Wahlgrundsätze?

In Art. 38 Abs. 1 des Grundgesetzes steht: „Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt.“

Allgemein bedeutet: Es darf grundsätzlich jeder wählen gehen, der deutscher Staatsbürger ist und das achtzehnte Lebensjahr bis zum Wahltag vollendet hat – unabhängig von seinem Geschlecht, seiner Religion, seines Berufes oder sonstiger Kriterien.

Unmittelbar bedeutet: Wir wählen unsere Abgeordneten direkt und nicht über eine zwischengeschaltete Instanz, wie es zum Beispiel die Wahlmänner in den USA sind.

Frei bedeutet: Jeder hat das Recht selbst zu entscheiden, welche Partei oder Kandidaten er oder sie wählt. Deshalb darf niemand Drittes die Wähler/innen unter Druck setzen oder in ihrer Entscheidung beeinflussen.

Gleich bedeutet: Jede gültige Stimme hat das gleiche Gewicht, egal von wem sie abgegeben wurde. Bestimmte Stimmen anders zu gewichten aufgrund von irgendwelchen Kriterien wäre unzulässig. Einzige Ausnahme: Wer se…

Warum sind Hundenasen feucht?

Egal, ob groß oder klein: Hunde schnüffeln. Sie schnüffeln an Bäumen, am Boden, draußen und im Haus. Ihre Nase ist überall. Und wenn sie uns mit der Nase anstupsen, merken wir: Sie ist kalt und nass. Aber warum sind Hundenasen eigentlich feucht?


Hunde können besser riechen
Mit der feuchten Nase können Hunde besonders gut riechen. Hunde haben 17 bis 30 Mal so viel Riechschleimhaut in der Nase wie Menschen. In der sitzen Riechzellen, die den Geruch wahrnehmen. Hunde können schon einzelne Teilchen von unserem Körperschweiß riechen, die wir noch gar nicht wahrnehmen können. Darum kann man sie auch so gut einsetzen, um Menschen zu finden, die zum Beispiel von Schneelawinen verschüttet wurden.


In der Feuchtigkeit riecht man besser
Die feuchte Nase hilft, dass alle Teilchen, die duften, auch bei den weit hinten liegenden Riechzellen ankommen. Denn dabei kann man besser riechen, als wenn alles trocken ist. Außerdem atmet der Hund, wenn er schnüffelt, viel schneller und atmet mehr Luft ein als wir…