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Woher kommt der Name Ärmelkanal?

Ganz früher einmal – damals war der Wasserstand noch viel niedriger – waren das europäische Festland und die Insel Großbritannien miteinander verbunden. Es gab also so gesehen keine Insel, wohl aber an der Stelle des heutigen Ärmelkanals einen Fluss. Als der Wasserstand nach der letzten Eiszeit anstieg, konnte sich mit der Zeit eine Meerenge herausbilden, durch die mittlerweile das Wasser des Atlantiks in die Nordsee fließt. Die Entstehung des Ärmelkanals liegt bereits mehrere tausend Jahre zurück.

Wie und wann es dann zu dem Namen Ärmelkanal kam, ist nicht sicher belegt. Aber der Kanal heißt tatsächlich so, weil er Ähnlichkeit mit einem sich verjüngenden Ärmel hat: Von seiner breitesten Stelle aus (diese liegt beim westlichsten Punkt des Festlandes von Großbritannien, „Land’s End“) verschmälert sich der Atlantik nach Osten hin bis zur schmalsten Stelle zwischen Dover und Calais – von 180 auf 34 Kilometer in der Breite. Die Franzosen nennen die Meerenge „La Manche“ (= der Ärmel), ansonsten ist sie jedoch eher als „English Channel“ (= Englischer Kanal) oder schlicht als „Channel“ bekannt.

Hier für Sie noch der Auszug aus einem Märchen des deutschen Schriftstellers Clemens Brentano (1778–1842) zur „Entstehung“ des Ärmelkanals:
„Ich hatte ihn auf der Flotte begleitet, um alles mit anzusehen; aber es bekam uns schlecht. Der Fleck Landes, wo der lange Tag die lange Nacht zum erstenmale wieder umarmte, war eine Landenge, welche Frankreich und England vereinigte. Soeben war das englische Einhorn und der französische Hahn dort in einem Streite begriffen; als die Riesenjungfrau aber zwischen sie trat, machten sie Waffenstillstand miteinander, um ihr Artigkeiten zu machen. Der Hahn lief um sie herum, krähte, schlug mit den Flügeln und kokettierte; das englische Einhorn aber legte ihr sein Haupt in den Schoß. Als der Bräutigam ans Land stieg, war er über diesen Handel sehr erfreut, weil er wußte, daß das Einhorn die Gewohnheit hat, sich nur vor tugendhaften Jungfrauen zu demütigen. Er umarmte nun seine Braut im Angesichte der holländischen Flotte, und beide luden den Hahn und das Einhorn zu Zeugen ihrer Verbindung ein. Die Braut nannte sich mit ihrem Taufnamen Continent, der Bräutigam aber Marinus. Sie überhäuften sich mit Liebkosungen; nun gaben sie den beiden Zeugen folgende Geschenke: Continent sagte zu dem Hahn: »Du sollst mächtig sein auf Erden«, und Marinus sagte zu dem Einhorn: »Du sollst mächtig sein auf dem Wasser und den Inseln«. Hierüber wurden beide eifersüchtig und begannen wieder zu streiten. Aber die Brautleute hießen sie nach Hause zu gehen und begannen so heftig zu tanzen, daß die Landenge zu reißen begann. Als aber auf der einen Seite der Halm eine Menuette krähte und das Einhorn auf der andern Seite einen englischen Tanz sang, kamen sie aus dem Takt und zerrten sich so herum, daß Marinus seiner Braut einen Ärmel ausriß; zu gleicher Zeit brach die Landenge entzwei, das Meer strömte zwischen England und Frankreich durch und trennte den Hahn und das Einhorn auf ewige Zeit. Was aus den Brautleuten geworden ist, weiß ich nicht, da das Wasser, das durch das zerrissene Land durchströmte, unsere Flotte mit solcher Geschwindigkeit zurücktrieb, daß wir, ehe wir uns versahen, wieder in Amsterdam waren. Der neu entstandene Kanal wurde, weil er entstanden, als der Ärmel der Braut ausgerissen wurde, Canal de la Manche, Ärmelkanal, genannt, und der Ärmel, welchen die Flut des Meeres weit, weit hinweggeschwemmt, heißt seitdem Ermelland.“

Clemens Brentano, Märchensammlung – Rheinmärchen – Das Märchen vom Schneider Siebentot auf einen Schlag; aus: Clemens Brentano: Werke. Herausgegeben von Friedhelm Kemp, Band 1–4, München: Hanser, [1963–1968]. Quelle: http://www.zeno.org - Zenodot Verlagsgesellschaft mbH

Was sind Märchen und wie entstanden sie?

Märchen sind kurze Erzählungen, die in einer fantastischen Welt spielen. In dieser Märchenwelt können Tiere und Pflanzen sprechen oder sich in Menschen verwandeln – wie der Froschkönig, aus dem ein Prinz wird. Häufig kommen in Märchen magische Gestalten wie Hexen oder Feen vor. Im Gegensatz zu Sagen und Legenden beziehen sich Märchen kaum auf historische Ereignisse. Im Gegenteil: Sie spielen in einer unbestimmten Zeit. Anstelle einer Zeitangabe beginnen viele Märchen daher mit dem Satz: „Es war einmal …“.

In allen Teilen der Erde erzählen sich die Menschen Märchen. Bekannt ist bei uns etwa die orientalische Märchensammlung „1001 Nacht“. Die Ursprünge dieser Märchengeschichten reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück.

Gewalt kommt in vielen Märchen vor, z. B. wenn Hänsel und Gretel im gleichnamigen Märchen die Hexe bei lebendigem Leib verbrennen. Dies ist ein Grund, weshalb Märchen-Kritiker der Ansicht sind, sie könnten Kindern schaden. Tatsächlich haben Forscher herausgefunden, dass die Geschichten ursprünglich für Erwachsene gedacht waren. Erst im Laufe der Jahrhunderte begannen die Menschen, sie auch Kindern zu erzählen.

Volksmärchen wanderten vom einen zum anderen
Grundsätzlich gibt es 2 verschiedene Formen von Märchen: die Volks- und die Kunstmärchen. Bei den Volksmärchen sind Ursprung und Verfasser des Märchens nicht bekannt. Eine Generation erzählte sie der nächsten und so weiter. Irgendwann machte sich dann jemand die Mühe, die Erzählungen zu sammeln und aufzuschreiben. So beispielsweise die bekannten Brüder Jakob (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859). Die beiden veröffentlichten im Jahr 1812 die Märchensammlung „Kinder- und Hausmärchen“. Sie führten übrigens auch den Gattungsbegriff „Märchen“ ein.
Volksmärchen haben eine vergleichsweise einfache Erzählstruktur und sind leicht verständlich. Die Welt ist klar unterteilt: Auf der einen Seite stehen die Guten, auf der anderen die Bösen. Meist gibt es einen Helden, der sich aus einer Notlage befreien oder eine Aufgabe lösen muss. Volksmärchen haben immer ein Happy End.

Kunstmärchen sind frei erfunden
Beim Kunstmärchen gibt es einen Autor, der bewusst eine Geschichte schreibt, die er mit märchenhaften Elementen ausstattet. Kunstmärchen sind außerdem weitaus später entstanden als Volksmärchen. Und sie sind im Gegensatz zu den Volksmärchen meist komplexer aufgebaut und sprachlich anspruchsvoller. Daher sind sie auch für Erwachsene interessant. Viele Kunstmärchen entstanden in der Epoche der Romantik (um 1790–1840) und des Biedermeiers (1815–1848). Bekannte Verfasser von Kunstmärchen sind etwa der Däne Hans Christian Andersen (1805–1875) – er schuf über 160 Märchen – oder Wilhelm Hauff („Kalif Storch“, „Der kleine Muck“).