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Wer machte welches Kleidungsstück berühmt?

Kleider machen Leute, wusste schon Gottfried Keller, aber hin und wieder machen auch Leute Kleider. Will sagen: Sie machen bestimmte Kleidungsstücke berühmt, Kleidungsstücke, die dann untrennbar mit ihnen verbunden sind. Manchmal handelt es sich dabei um die Erfinder dieser Kleidungsstücke selbst, manchmal nur um bekannte Personen, die darin in der Öffentlichkeit oder auf der Filmleinwand herumspazieren und daraufhin - freiwillig oder unfreiwillig - zu Modeikonen avancieren. Zuweilen tragen die Kleidungsstücke dann sogar ihren Namen: Hier einige der berühmtesten Kleidungsstücke, die mit den Namen ebenso berühmter Menschen assoziiert werden.


Monty Coat und mehr: Vom Militäroutfit zur Lieblingsuniform der Intellektuellen
Dem britischen Feldmarschall Montgomery, Sieger der berühmten Schlacht von El Alamein im Jahr 1942, verdankt dieser dreiviertellange, einreihige Mantel aus schwerem Wollstoff mit Kapuze und den charakteristischen Knebelverschlüssen aus Horn oder Holz seinen Beinamen Monty-Coat oder kurz Monty. Eigentlich heißt dieses einzige klassische Mantelmodell mit Kapuze aber Dufflecoat (oder Düffelmantel). Der Name leitet sich vom Stoff Düffel her, der ursprünglich im belgischen Ort Duffel (südlich von Anterpen) fabriziert wurde. Die Herkunft des charakteristischen sportlichen Schnitts ist nicht geklärt. Der Schnitt wird zum einen auf den in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beliebten Polenrock zurückgeführt, zum anderen auf die Kutten der Mönche. Besonders populär ist der Dufflecoat in Frankreich und Großbritannien, allerdings weniger bei Generälen und Feldmarschallen, sondern vornehmlich bei jungen Adeligen, Künstlern, Studenten und Intellektuellen.


Bequemes Beinkleid à la Marlene
Ein Beinkleid für die Dame, das sich allerdings stark am Schnitt von Männerhosen orientiert: Sitz in der Taille, angesetzter Bund, Übertritt beim Verschluss, Hüftpassentaschen. Bundfalten bewirken überdies eine lockere Weite der Hosenbeine, die gerade nach unten verlaufen oder einen zusätzlichen Schlag erhalten können. Manchmal ist diese Hose auch mit Bügelfalten und einem Aufschlag an den Beinen versehen. Sie besteht klassischer Weise aus leichtem Wollstoff, es gibt aber auch Modelle aus Leinen (sommerlich) oder Tweed (für die Wintermonate). Unter emanzipierten Frauen war die weite Damenhose bereits in den goldenen 1920er Jahren - nicht zuletzt in Berlin - ein topmodisches Kleidungsstück. Weltruhm erlangte sie allerdings erst durch Marlene Dietrich, die ihr in Josef von Sternbergs Leinwandklassiker Marokko (Morocco, 1930) zum großen Auftritt verhalf. Seitdem heißt sie nur noch Marlenehose, obwohl sie auch von anderen Stars wie Greta Garbo und Katherine Hepburn getragen wurde. Eine erste Renaissance erlebte die Marlenehose in den 1970er Jahren wiederum durch einen Film, nämlich durch Woody Allens Komödie Der Stadtneurotiker (Annie Hall, 1977) und deren Hauptdarstellerin Diane Keaton. Keaton ist bis heute ihrem verspielt-männlichen Kleidungsstil treu geblieben.

Chanel-Kostüm und das Kleine Schwarze: Kostüme, keine Kostümierung
Wer das Chanel-Kostüm erfunden hat, ist an seinem Namen einfach abzulesen, nämlich die berühmte französische Modemacherin Coco Chanel in den 1950er Jahren. Das klassische Chanel-Kostüm, ein Zweiteiler aus Tweed-Stoff mit schwarzem Besatz und Goldknöpfen, vereint Stil mit Bequemlichkeit und avancierte im Verlauf weniger Jahre zum internationalen Standard für die moderne Geschäftsfrau. Coco Chanel, die am Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst sich selbst und danach auch ihre Geschlechtsgenossinnen aus den Zwängen des Korsetts befreite, zeichnete noch für einen weiteren legendären Modeklassiker verantwortlich. Gemeint ist natürlich das sogenannte Kleine Schwarze, das sie bereits in den 1920er Jahren salonfähig machte. Das Kleine Schwarze ist ein Kleid, das zu vielen Anlässen getragen werden kann, da der Schnitt klassisch-elegant ist, bis maximal Knielänge geht und die Farbe neutral-schwarz gehalten ist. Es ist eng mit dem Etuikleid verwandt und wird beispielsweise als Cocktailkleid getragen. Die Beliebtheit des Kleides, das zumeist aus Chiffon oder Viskose gemacht ist, erreichte ihren Höhepunkt in den 1950er Jahren, als prominente Trägerinnen wie Audrey Hepburn eine ganze Generation damit begeisterten. Auch heute noch verfügt das Kleine Schwarze über eine riesige weibliche Fangemeinde.


Cineastischer Ex-Pyjama mit Lolita-Charme
Dieses Kleidungsstück ist ein seltener Fall, denn es ist nach einem Film bzw. einer Filmfigur benannt, nämlich nach Elia Kazans vierfach Oscar-nominiertem Tennessee Williams-Drama Baby Doll - Begehre nicht des anderen Weib (Baby Doll, 1956) und deren - von Caroll Baker verkörperten - weiblichen Titelfigur Baby Doll Meighan: Die kindliche Baby Doll Meighan verlobt sich mit einem Baumwollmaschinenbesitzer aus den amerikanischen Südstaaten und wird daraufhin zum Gegenstand einer Schlacht zwischen diesem und seinem ärgsten Feind. Das kurze Pumphöschen mit dem weiten, losen, leicht A-förmig geschnittenen und mit Puffärmelchen besetzen Oberteil, in dem Caroll Baker im Film mehrfach zu sehen ist, war ursprünglich ein sommerlicher Damen-Pyjama. Heute bezeichnet man mit Babydoll nur noch das luftige Oberteil. Dessen Form ist im Wesentlichen unverändert geblieben. So besteht es oben herum aus leicht abgesetzten Körbchen, während der untere Teil wie ein Rock geschnittenen ist. Häufig sind Babydolls mit Rüschen oder Spitze besetzt und einfarbig (pastelliges Rosa, hellgelb, weiß oder schwarz) gehalten. Als Material werden Stoffe wie Seide oder Chiffon verwendet. Es gibt auch Abendkleider, die wie ein Babydoll geschnitten sind.


Kelly-Bag: Fürstliches Anhängsel mit Hollywood-Glamour
In dieser geradlinigen, trapezförmigen Tasche mit Trageriemen, deren Nähte aus einem in Bienenwachs getauchten Leinenfaden gemacht sind, stecken 18 Stunden Handarbeit eines einzigen Kunsthandwerkers. Jedes Exemplar trägt einen Stempel, der über den Namen des Handwerkers, das Atelier und das Herstellungsjahr Auskunft gibt. Entworfen wurde die Damenhandtasche von Robert Dumas, gelernter Sattler und damals Chef der weltbekannten Luxus-Lederwarenfirma Hermès, die sie 1935 unter der nüchternen Bezeichnung "Kleine Tasche mit Trageriemen" auf den Markt brachte. Große Berühmtheit erlangte sie jedoch erst über zwanzig Jahre später unter einem anderen Namen: Kelly-Bag. Denn niemand anderes als die vom monegassischen Fürsten Rainier zur Gattin auserkorene Hollywoodschauspielerin Grace Kelly hatte die ebenso elegante wie praktische Tasche stets an der Hand, während ihrer Verlobungszeit bis hin zum Gang ins Standesamt 1956. Nach ihrer Hochzeit hielt Gracia Patricia die Kelly-Bag geschickt vor sich, um ihren Schwangerschaftsbauch zu verbergen. Um ihrem verehrten Idol modisch nachzueifern, stürmten bald darauf Frauen in aller Welt die Hermés-Boutiquen. Hermés reagierte prompt auf die steigende Nachfrage und gab der Tasche ganz offiziell den Mädchennamen der Fürstin. Diese bedankte sich dafür, indem sie sich bis zu ihrem Unfalltod im Jahr 1982 fast ausschließlich mit diesem Modell an der Hand in der Öffentlichkeit zeigte.


Caprihose: Hochwasser auf Italienisch
Die Caprihose, ein eng anliegendes, dreiviertellanges Beinkleid mit kurzem seitlichen Schlitz, wurde 1948 von der deutschen Modedesignerin Sonja de Lennart erfunden, die oft auf der italienischen Ferieninsel weilte. Ein Jahr später wurde die neuartige Hose bereits von der deutschen Schauspielerin Mady Rahl sowie ihrer österreichischen Kollegin Erni Mangold gern getragen. Zu großer Berühmtheit verhalf ihr jedoch einen andere Leinwand- und Modeikone: Audrey Hepburn. Denn nicht nur der italienische Modemacher Emilio Pucci integrierte die Caprihose kurzerhand in seine eigene Kollektion, sondern auch die legendäre und mit acht Oscars ausgezeichnete Kostümbildnerin Edith Head ließ sie für den Film Ein Herz und eine Krone (Roman Holiday, 1953) flugs kopieren. Hepburn ist aber noch in einem weiteren Film, nämlich in Billy Wilders Sabrina (1954), in Caprihose zu sehen. Diesmal ließ sie ihren Pariser Lieblingsdesigner Hubert de Givenchy für sich arbeiten. Obwohl - oder gerade weil - die Caprihose damals geradezu revolutionär erschien, war sie ein wesentlicher Bestandteil der Modehits der 1950er. Sie hat pausenlose Debatten über Anstand der Trägerinnen und die Moralvorstellungen der Jugendlichen ausgelöst. Heute ist die Caprihose nicht mehr provokant, aber damals haben sich nur die besonders mutigen Trendsetterinnen damit auf die Straße getraut. Viele Mütter haben ihren Töchtern nicht erlaubt, mit der Caprihose auf die Straße zu gehen. Am Strand beim Sonnenbaden war sie in den 1950ern ein modisches Muss.


Die Prinz-Heinrich-Mütze: Behütet Prinzen und Bundeskanzler mit hanseatischem Understatement
Die Prinz-Heinrich-Mütze, eine den Kapitäns- und Lotsenmützen nachempfundene Schirmmütze mit Eichenlaub-Stickereien sowie einer geflochtenen oder gedrehten Mützenkordel, ist nach dem kaiserlichen Großadmiral Prinz Heinrich von Preußen (1862–1929), dem jüngeren Bruder Kaiser Wilhelms II. benannt. Die Farben der Mützen bewegen sich üblicherweise zwischen dunkelblau und grau bis schwarz. Andere Grundfarben, beispielsweise braun und grün, werden seltener produziert. Kennzeichen der Prinz-Heinrich-Mütze sind insbesondere ihr hoher Steg und der steife und verhältnismäßig kleine Mützendeckel, dessen Durchmesser nur unwesentlich größer als der des Stegs und zu allen Seiten etwa gleich groß ausgeprägt ist. Die Prinz-Heinrich-Mütze ist mittlerweile genauso bekannt als Schmidt-Mütze, denn der ehemalige Hamburger Innensenator, Bundesminister und Bundeskanzler Helmut Schmidt trägt sie unter freiem Himmel seit den 1960er Jahre sozusagen ununterbrochen auf dem klugen Kopf und machte sie dieserart zu seinem unverkennbaren Markenzeichen. Allerdings handelt es sich bei Schmidts Mütze genau genommen gar nicht um eine Prinz-Heinrich-Mütze, sondern um eine sogenannte Elblotsenmütze. Die Unterschiede sind aber tatsächlich minimal.


Jesuslatschen: Mit ausgelatschten Schuhen in den heiligen Fußstapfen eines Religionsstifters
Ihr Namensgeber hat sie nicht erfunden, denn er war mit wichtigeren Dingen beschäftigt. Und dass man mit ihnen sogar über Wasser gehen kann, ist schlichtweg ein abenteuerliches Gerücht. Der Name Jesuslatschen stammt nämlich aus der Hippe-Zeit und verspottet auf eine etwas blasphemische Weise die Einfachheit und Primitivität der damit gemeinten Sandalen aus zumeist billigen Materialien wie Gummi, Kunststoff und Kunstleder. Heutzutage werden die kultisch verehrten Botten, die klassischer Weise aus einer Sohle ohne Fußbett und drei Riemen bestehen, allerdings auch aus hochwertigem Material hergestellt, was vielleicht nicht ganz dem urchristlichen Askesegedanken entspricht. Aufgrund ihrer sagenhaften Bequemlichkeit, lassen sich mit Jesuslatschen angeblich auch die größten Strecken blasenlos bewältigen. In der DDR hießen die luftigen Bequemschuhe übrigens Römerlatschen. Die christlichsten aller Treter ausgerechnet nach den ärgsten Feinden des frühen Christentums zu benennen konnte auch nur gottlosen Sozialisten einfallen.

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