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Woher kommt das Daumendrücken?

Der Daumen galt schon seit jeher als besonderer Finger, ist der doch viel beweglicher als die anderen vier Finger unserer Hand. Mit seiner Hilfe können wir gut greifen und fest zupacken. Wussten Sie, dass sogar unser Gehirn dem Daumen mehr Aufmerksamkeit widmet als den anderen Fingern?

Nun denn, es gab eine Zeit, in der Bestandteile unseres menschlichen Körpers zu Heil-Zwecken genutzt wurden. Volksmedizinisch hatte zum Beispiel das Blut eine herausragende Bedeutung, weshalb Kranke sich schon mal über das Blut eines tödlich Verwundeten hermachten, um ja wieder gesund zu werden*. Auch dem Daumen schrieb man übernatürliche Kräfte zu.

Der römische Gelehrte Plinius (der Ältere) erwähnte das Daumendrücken erstmals schriftlich in seiner im 1. Jh. n. Chr. verfassten „Naturgeschichte“ (Naturalis historia). In dieser Enzyklopädie der Naturwissenschaften heißt es im Buch der „Heilmittel aus den Lebewesen“: „Schon das Sprichwort fordert uns auf, den Daumen zu pressen, wenn wir jemand geneigt sind“ (pollices, cum faveamus, premere etiam proverbio iubemur).

So war es dann auch beispielsweise bei Gladiatorenkämpfen üblich, dass die Leute im Publikum die Daumen drückten, wenn ein gestürzter Gladiator ihre (mentale) Unterstützung verdiente. Den Daumen in den anderen Fingern verschwinden zu lassen und fest zu drücken, wurde auch zur Abwehr von Dämonen und bösen Träumen praktiziert.

Übrigens: Der Daumen entschied bei den Gladiatorenkämpfen auch über Leben und Tod des Besiegten. Die Geste „Daumen hoch“ deutete dem Spielgeber, der gestürzte Gladiator solle am Leben bleiben, mit „Daumen nach unten“ bzw. zum Schlüsselbein hin forderten die Zuschauer seinen Tod.

* aus: Karl-Heinz Göttert, „Daumendrücken. Der ganz normale Aberglaube im Alltag“, Reclam 2003

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