Was ist eine Kulturhauptstadt?

Sie erinnern sich vielleicht noch: Zehn deutsche Städte gaben im Jahr 2005 alles, um 2010 die Kulturhauptstadt Europas zu werden. Nur zwei von ihnen kamen nach einer Entscheidung des Bundesrats in die engere Wahl: Essen und Görlitz. Essen und das Ruhrgebiet machten letztendlich das Rennen.

Kunst und Kultur sind die zentralen Themen der gewählten Städte. Im Idealfall soll über die Kulturhauptstädte schon vier Jahre vorher eine Entscheidung getroffen sein. Nach einer bestimmten Reihenfolge dürfen EU-Länder jeweils eine Kulturhauptstadt stellen. Seit 1985 kürt der Kulturministerrat der Europäischen Union mindestens eine Kulturstadt Europas, wie sie bis 2005 noch hieß. Um das leisten zu können, erhält der Rat die Empfehlung einer internationalen und unabhängigen Expertenkommission, die alle Kandidaturen zuvor begutachtet hat. Da wegen der EU-Erweiterung viele Länder neu hinzugekommen sind, aber die Reihenfolge für die (alten EU-) Kulturhauptstadt-Länder schon feststand, gibt es jetzt für eine Übergangszeit jeweils zwei Kulturhauptstädte, dieses Jahr in Deutschland und im Beitrittsland Ungarn.

Bisher waren Weimar (1999) und Berlin (1988) die deutschen Kulturstädte Europas. In diesem Jahr ist „Essen für das Ruhrgebiet“ im Namen von 53 Städten und 5,3 Millionen Einwohnern dran. Die Region im Zentrum Europas bildet nach Paris und London den drittgrößten Ballungsraum in der EU. Sie präsentiert sich als Gastgeber für jeden, der den atemberaubenden Wandel von Europas legendärer Kohle- und Stahlregion zu einer polyzentrischen Kulturmetropole neuen Typs erleben will (Quelle: Ruhr.2010).

Für alle, die es genau wissen wollen: Folgende Kriterien* müssen die Städte berücksichtigen, die sich den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ ergattern wollen:
Herausstellung der gemeinsamen künstlerischen Strömungen und Stilrichtungen, bei deren Entstehung die betreffende Stadt eine besondere Rolle gespielt hat

- Durchführung künstlerischer Darbietungen (Musik, Tanz, bildende Kunst, Film usw.) sowie Verbesserung der Kulturförderung und des Kulturmanagements

- Vertrautmachung der europäischen Öffentlichkeit mit Persönlichkeiten und Ereignissen, die Geschichte und Kultur der Stadt geprägt haben

- Durchführung spezifischer Aktivitäten zur Förderung von Innovationen im Kunstbereich und zur Schaffung neuer Formen der kulturellen Aktion und des kulturellen Dialogs

- Durchführung von Maßnahmen zur Förderung der Zugänglichkeit und der Sensibilisierung in Bezug auf das bewegliche und unbewegliche Kulturgut, sowie das stadtspezifische kulturelle Schaffen

- Durchführung von speziellen Kulturprojekten mit dem Ziel, Jugendlichen die Kunst näher zu bringen

- Durchführung von speziellen Kulturprojekten zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts

- Bekanntmachung der vorgesehenen Veranstaltungen durch multimediale und audiovisuelle Mittel und in mehreren Sprachen

- Notwendigkeit der Entwicklung eines hochwertigen und innovativen Kulturtourismus unter angemessener

- Berücksichtigung der besonderen Aufgabe, das Kulturgut auf Dauer zu erhalten und dabei die Wünsche der Besucher mit denen der örtlichen Bevölkerung in Einklang zu bringen

- Durchführung von Projekten zur Förderung der Einbeziehung des architektonischen Erbes in neue Strategien zur Stadtentwicklung

- Gemeinsame Durchführung von Initiativen zur Förderung des Dialogs zwischen den europäischen Kulturen und den Kulturen in anderen Teilen der Welt

* Quelle: www.kultur2010.de / © culturebrand network

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